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Digital Lifestyle - Und: Wo Asien die Nase vorn hat

Es ist kaum zu glauben: Mittwoch, 10:08 Uhr (Mitteleuropäischer Zeit). Ich sitze gerade in einem Flieger der Lufthansa auf dem Weg von Seoul nach Frankfurt. Dabei habe ich meinen Laptop auf dem Schoß und schreibe diese Zeilen. Doch vorher surfte ich noch gemütlich im Internet, so etwa über dem östlichsten Teil Sibiriens. Eine Zeit in der man aus Flugzeugen E-Mails schreibt, ist mit keiner Zeit vorher zu vergleichen. Die Technologie ermöglicht uns nun rund um den Globus und rund um die Uhr mit allen Menschen in Kontakt zu bleiben. Während ich also hier in 10.000 Meter Höhe kommod diese Zeilen schreibe, habe ich via Internet-Telefonie meine Assistentin in Kufstein im Ohr, die mir gerade den letzten Stand in einem unserer Projekte übermittelt.

Südkorea ist das Land, das in Sachen Haustechnologie am weitesten vorne ist. Vernetzte Hauselektronik ist dort längst nichts Neues mehr: Vom Licht-Steuerungspult bis hin zu Sicherheitssystemen entwickelt man hier alles in Richtung Zukunft. Ein neues Projekt im Süden des Landes soll die „Stadt der Zukunft“ werden. Alles was es an High-End-Technologie gibt wird dort integriert. So haben z.B. die Fußböden Sensoren, die anzeigen, wenn jemand plötzlich umfällt und länger als eine halbe Stunde nicht mehr aufsteht. Dann läutet der freundliche Concierge an der Türe und sieht nach dem Rechten. Korea wird auch das erste Land sein, in dem die neue Wireless-Internet-Technologie G4 vollflächig im Einsatz ist.

Ehre und Ehrgeiz als Grundlage für Erfolg

Nur selten hören wir in unseren Breitengraden von diesen Entwicklungen: Noch ist das Land für seine Kopie-Produkte bekannt. Doch wie generell in Asien spürt man auch hier eine Aufbruchsstimmung. Die Asiaten möchten nicht mehr nur die Kopierer der Welt sein, sondern immer mehr die eigenen Entwicklungen vorantreiben. Und dabei hilft ihnen der kulturelle Background, aufgebaut auf Ehre und Ehrgeiz. Wer sich also mehr zum Thema „High-Tech-Living“ ansehen möchte, sollte den 12-Stunden-Flug nach Seoul nicht scheuen und vor Ort erfahren wie die Koreaner die Zukunft interpretieren.

Die Chancen der westlichen Entwickler liegen auf einer neuen Ebene: Wir können den letzten Stand der Technologie mit den menschlichen Empfindungen verknüpfen. Mehr denn je sind wir es gewohnt uns in zwischenmenschlichen Kontakten zu üben: Sei es privat oder beruflich, Kommunikation wird zu einer Schlüsselfähigkeit in der wir Europäer schon sehr weit gediegen sind. Nun liegt es an uns, diese Fähigkeit in „vernünftige“ Konzepte für die Zukunft zu lenken. Mit viel Kreativität und dem nötigen Einfühlungsvermögen für Stimmungen, Atmosphären und Raumklima können wir hier die nächsten Entwicklungsschritte einleiten und uns damit positionieren. Tun wir das nicht, überholen uns die Asiaten nicht mehr nur über den Preis, sondern über ihre gestiegene Fähigkeit intelligente Produkte massentauglich zu entwickeln.

Wie Technik unsere Sinne befriedigt

So hat das z.B. das Schweizer Entwicklerteam rund um die I-Bar (www.i-bar.ch) gemacht: Die Kreativität in diesem Projekt liegt darin, den Menschen durch den Einsatz von Technik zum Staunen und Spielen zu bringen - und das in einer Alltagssituation. An einer Bar stehend kann man sich mit anderen „vernetzten“, in dem sich die Gegenstände auf der Bar via Licht-Punkte und Strahlen verbinden. Ein echt cooles Instrument zur Förderung der Kommunikation.

Oder das Konzept „Remote-Home“, in dem versucht wird nomadische Haushalte (an zwei Standorten) via Technologie zu verbinden: Setzt man sich in einer Wohnung auf die Couch, gibt es auf der Couch in der zweiten Wohnung eine kleine Sitzmulde. Was den Bewohnern das Gefühl gibt, verbunden zu sein. Dies fördert vor allem ein gutes Gefühl bei Paaren; getrennt und doch zusammen zu leben.

Denkhürden zum kreativen Potential

Diese Beispiele verdeutlichen wie viel noch möglich ist. Der Erfolgsfaktor der westlichen Welt wird nicht in der schlauen Produktion zu suchen sein, sondern in der Kreativität. Was wir brauchen sind neue Lösungen, bessere Rezepte, interessantere Anwendungen. Wobei hier zwei Denkhürden zu nehmen sind:

1.) Kreativität ist ein Team-Sport, an dem sich immer mehr Konsumenten beteiligen wollen. Nicht nur die Entwickler in ihren privaten Stuben, sondern auch eine Reihe kreativer Anwender wollen und können Produkte und Ideen vorantreiben.

2.) Kreativität lässt sich nicht verordnen, sondern muss als Wert in einem Unternehmen verankert werden. Nur wo Kreativität gelebt wird, kommen wirklich neue Gedankenmuster zu Stande. Wobei Unternehmen sich immer mehr mit anderen Unternehmen aus ganz anderen Branchen vernetzen werden, um auf wirklich Neues zu stoßen.

Damit besteht die Chance den Gegenpol zur aufkommenden Asien-Welle zu schaffen. Denn in Asien ist die Individualität zweitrangig. Hier geht es um das Kollektiv und das Erreichen gemeinsamer Ziele. Die Kraft kommt aus der Masse: Und wenn diese Masse auf „eigenständige Produkte“ und „Design-Führerschaft“ ausgerichtet wird, entwickelt sich auch eine enorme Vitalität. Doch in Europa können wir am besten mit Individualität umgehen und mit der Vernetzung von autarkem Gedankengut: Was die Aussicht auf kreative, neue Lösungen schärft.

Viel Spaß also beim kreativen Zukunftsdenken. Mit dem Sie durch intelligente und emotionale Produkte, Services und Ideen die Zukunft bereichern können.

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